Wie alles begann
Über 150 Jahre Geschichte der Bäderkultur in Zingst

Zingst alte PostkarteDie abgeschiedene, heute reizvolle Lage der Halbinsel Zingst, war dafür verantwortlich, dass das Ostseeheilbad erst Mitte des 19. Jahrhunderts von Urlaubern als Zufluchtsort aus deutschen Industriestädten entdeckt wurde.

Ungleich nach Entdecken des Kleinods an der Ostsee überschattete 1872 das große Sturmhochwasser das Leben der Zingster. Nicht ohne jedoch auf sich aufmerksam zu machen: In den folgenden Jahren entwickelte sich zunehmend eine Infrastruktur mit Straßenbau und Fährverbindung, die den Urlaubsverkehr begünstigte. Gastfreundlich willkommen geheißen wurden die Badegäste im 1881 neu eröffneten ersten Strandrestaurant. Für Kurzweil und Erholung besuchte Frau oder Mann Damen- oder Herrenbad. Schon 1913 war der Zuwachs an begeisterten Urlaubern so groß, dass ihre Zahl die der Einwohner um mehr als das Doppelte überstieg. Man gastierte in einem der fünf ­Hotels, neun Pensionen und zu 50 Prozent in Privathäusern. Durch die neue Bahnanbindung Barth-Zingst-Prerow konnte man Berlin und Hamburg in weniger als fünf Stunden erreichen. Die Attraktivität der guten Anbindung ließ die Besucherzahlen in die Höhe schnellen, so dass gemäß dem Gesetz von Angebot und Nachfrage die Preise anstiegen: Zwischen 3,50 Mark und 5 Mark musste man für eine Übernachtung zahlen – zuviel für einen einfachen Arbeiter. Zingst wurde zu einem exklusiven Urlaubsziel.

Zingst alte PostkarteIm Ersten und Zweiten Weltkrieg kam in ganz Deutschland die Wirtschaft, in Zingst auch das Badewesen zum Erliegen. Beide Male jedoch erholte sich die kleine Halbinsel von den Einbußen und bot seinen Gästen die bekannte Gastfreundschaft. Diese expandierte in der zwei­ten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch ­weiter: Der 1947 gegründete FDGB behalf sich mit Zwangs­enteignungen, bekannt geworden als »Ak­tion Rose«, um den Zulauf an Feriengästen zu bedienen. »Das Haus des Gastes« – das heutige Kurhaus an der Seebrücke – wurde Sinnbild der DDR-Ferienbewegung an der Ostseeküste.

1979 wurde Zingst »staatlich anerkannter Erholungsort« und darf sich seit 2002 auch »Ostseeheilbad« nennen. Die Geschichte hat es zu dem gemacht, was es heute ist. Seine Prädikate trägt es im Namen. Es war, ist und bleibt ein Ort zum Erholen, zum Heilen, zum Seele baumeln lassen mit dem gleichen maritimen und familiären Charme wie vor über 150 Jahren.

Vergilbte Postkarten des längst vergangenen 19. Jahr­hunderts werden zu digitalen Photomotiven des neuen Jahrtausends. Und finden sich vielleicht auch bald in Ihren Urlaubsalben?